
Interview
Twentyfive years of excellence.

Thorsten Strozik
Managing
Director
„Wir verstehen uns längst nicht mehr als verlängerte Werkbank, sondern als Begleiter in Transformationsprozessen.“
Question 2025 war für GSVI ein besonderes Jahr: Die Agentur ist 25 Jahre alt geworden. Das Jubiläum stand für euch allerdings nicht so stark im Vordergrund. Woran lag das?
Thorsten Strozik Tatsächlich blieb für einen klassischen Rückblick wenig Raum. Denn das letzte Jahr war vor allem: sehr arbeitsreich und sehr spannend. Wir haben uns gemeinsam mit unseren Auftraggebern stark weiterentwickelt. Bereits in den vergangenen Jahren haben sich die Fragestellungen unserer Auftraggeber deutlich verschoben. Im Zentrum stehen heute zumeist ganzheitlich Fragen. Wie positionieren sich Unternehmen, Organisationen und Institutionen in einer sich rasant verändernden Welt gegenüber Märkten, Zielgruppen, Stakeholder und Mitarbeitern. Es geht um Fragen nach Transformation, um Generationenwechsel, um wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung. Auch Arbeitsweisen, Kommunikationsformen und das Konsumverhalten haben sich deutlich verschoben. Alle diese Themen haben uns stark beschäftigt – und tun es weiterhin. Parallel haben sich auch branchenspezifische Anforderungen verändert. Marketing, speziell Marke, verstehen wir heute als integralen Bestandteil unternehmerischer Strategie. Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Wirksamkeit und ein messbarer Beitrag zur Wertschöpfung stehen deutlich stärker im Fokus. Budgets werden kritisch hinterfragt, Maßnahmen müssen schneller Wirkung zeigen und strategisch begründet sein. Diese Entwicklungen verändert die Rolle von Partnern wie GSVI bei unternehmerischen Entscheidungsprozessen.
Q Wie sieht eure Rolle heute aus? Was hat sich im Laufe eines Vierteljahrhunderts verändert?
TS Auftraggeber, wie neue Kunden, kommen heute mit Fragestellungen auf uns zu, die ganz andere Prozesse notwendig machen. Viele dieser Themen sind für uns nicht grundsätzlich neu, weil wir unsere Arbeitsweisen seit über einem Jahrzehnt kontinuierlich weiterentwickeln. Dennoch bedeutete das, sich sehr tief in Inhalte einzuarbeiten, Dinge zu hinterfragen, grundsätzlich neu zu denken. Projekte sind heute selten singulär. Es geht kaum noch um einzelne Maßnahmen, sondern um das Zusammenspiel von Identität, Strategie, Kommunikation und Organisation. Wir verstehen uns längst nicht mehr als Werkbank, sondern als Begleiter in Transformationsprozessen. Das geht deutlich über Gestaltung oder einzelne Kommunikationsleistungen hinaus. Identität, Haltung und strategische Ausrichtung spielen die zentrale Rolle und bilden den Rahmen, in dem konkrete Maßnahmen sinnvoll werden. Für uns bedeutet das, früh in unternehmerische Fragestellungen einzutauchen. Nur so lassen sich wirklich tragfähige Lösungen entwickeln.
„Unsere Stärke liegt darin, gemeinsam mit den Auftraggebern ihre eigentlichen Herausforderungen zu identifizieren. Auf dieser Basis stellen wir individuelle Teams zusammen, ergänzen Kompetenzen gezielt und arbeiten entlang eigens entwickelter Prozesse.“



„Es wird zum Innovationslabor für Fragestellungen, die sich jenseits etablierter Standards bewegen und bestehende Denk- und Arbeitsweisen grundsätzlich hinterfragen.“
Question Das klingt nach deutlich komplexeren Projekten, die eine intensive Zusammenarbeit voraussetzen.
TS Genau das. Deshalb haben wir auf diese veränderten Anforderungen reagiert und 2025 das GSVI Lab neu formiert. Es wird zum Innovationslabor für Fragestellungen, die sich jenseits etablierter Standards bewegen und bestehende Denk- und Arbeitsweisen grundsätzlich hinterfragen. Das Lab ist Thinktank, Studio und Arbeitsraum zugleich – ein Ort, an dem außergewöhnliche Themen bewusst aus dem operativen Alltag herausgelöst und neu gedacht werden können. Der multidisziplinäre Ansatz verbindet Forschung, Strategie, Marketing, Architektur, Design und Technologie. In agilen, projektbezogenen Teams begleiten wir unsere Auftraggeber sowohl bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen als auch bei strategischen Transformationsprozessen. Dabei geht es weniger um schnelle Lösungen als um das gemeinsame Verstehen komplexer Zusammenhänge und das Entwickeln tragfähiger Perspektiven. Das GSVI Lab ist sowohl ein physischer als auch ein virtueller Ort. Wir nehmen unsere Auftraggeber bewusst mit in diesen Raum, um gemeinsam Fragestellungen zu öffnen, Hypothesen zu prüfen und neue Modelle zu entwickeln. So entsteht ein Arbeitsumfeld, das Orientierung gibt, ohne vorschnell festzulegen, und das es ermöglicht, komplexen Anforderungen in einer sich stark verändernden Welt gerecht zu werden.
Q Welches Projekt beschäftigt euch aktuell im Lab?
TS Wir entwickeln gemeinsam mit dem Bochumer Studierendenwerk Akafö unter dem Namen StudyLife™ eine Digital Experience Platform. Damit denken wir die gesamte Infrastruktur des studentischen Lebens neu und schaffen eine multiplikationsfähige Plattform, die perspektivisch deutschlandweit für jedes andere Studierendenwerk adaptierbar ist. Das Projekt ging aus einem ganzheitlichen Stratgieprozess „Ideen für die Zukunft“ hervor, den das Akafö mit unserer Unterstützung gestartet hat. Das Ziel war, das Studierendenwerk in seiner konkreten organisatorischen, strukturellen und inhaltlichen Situation umfassend zu betrachten und zukunftsfähige Perspektiven für das Gesamtunternehmen wie für die unterschiedlichen Handlungsfelder zu entwickeln. Für Studierende ist das Akafö einer der erste Kontaktpunkte am Hochschulstandort Bochum. Hier finden sie Antworten auf existenzielle Fragen: Wie finanziere ich mein Studium? Wo kann ich wohnen? Wie organisiere ich meinen Alltag? Gleichzeitig stehen die Studierendenwerke unter Druck. Schwankende Studierendenzahlen erschweren das Wirtschaften. Während Energie-, Personal- und Lebensmittelkosten steigen, stagniert die öffentliche Förderung. Das Thema unter wirtschaftlichen, nachhaltigen und demografischen Aspekten neu zu denken, war eine enorme Aufgabe.
„Das Projekt ging aus einem ganzheitlichen Stratgieprozess „Ideen für die Zukunft“ hervor, den das Akafö mit unserer Unterstützung gestartet hat.“


Question Wie seid ihr vorgegangen, um dem Vorhaben gerecht zu werden?
TS Im Rahmen eines einjährigen Partizipationsprozesses haben wir die verschiedenen Teams des Studierendenwerks zunächst sensibilisiert und später in die Identifizierung von Veränderungprojekten involviert. In den Workshops mit den Teams aus den einzelnen Handlungsfeldern wurde schnell klar, dass die Digitalisierung ein zentraler Hebel ist, um einerseits auf eine zeitgemäße Art bestehende wie zukünftige innovative Services zu ermöglichen und andererseits die eigene unternehmerische Effizienz zu steigern. Heute, am Ende des Jahres 2025, befinden wir uns in der Testphase einer ersten mandantenfähigen, modular erweiterbaren Version von StudyLife™, die wir Schritt für Schritt ausbauen werden. Sie wird das strukturelle Rückgrat für die gesamte personalisierte Beziehung zu den Studierenden.
Q Das Thema Digitalisierung dominiert die Branche. Markenidentität verlangt aber zunächst nach einer übergeordneten Strategie.
TS Ganz richtig, das zeigt zum Beispiel ein anderes bedeutendes Projekt aus diesem Jahr: die Erneuerung der visuellen Identität der Marke Aral. GSVI arbeitet seit 25 Jahren an der Seite der Marke, seit unserer Gründung. Und seitdem befindet sich Aral in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess. Die Dynamik hat sich mit der Anbindung an den Bp Konzern und die eMobilität nochmals beschleunigt. Das alles berührt sowohl das Leistungs- und Angebotsspektrum als auch die Art und Weise, wie sich Aral gegenüber Verbraucherinnen undVerbrauchern positioniert und kommuniziert. Im Jahr 2025 rückt die Marke bewusster, emotionaler und näher an den Alltag der Kundinnen und Kunden heran. Statt formaler Dominanz steht die Anschlussfähigkeit an reale Nutzungssituationen und Erfahrungen im Vordergrund. Es ist unsere Aufgabe, die strategische Verschiebung über Markenidentität und Design erlebbar zu machen.
„GSVI arbeitet seit 25 Jahren an der Seite der Marke Aral, seit dem Jahr unserer Gründung. Aral befindet sich in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess. Die Dynamik hat sich mit der Anbindung an den bp Konzern und die eMobilität nochmals beschleunigt.“
Question Das ist unter den heutigen harten Wettbewerbsbedingungen extrem anspruchsvoll, oder?
TS Ja, der Umsatzdruck bleibt unverändert hoch. In den kurzen Momenten des Tank- und Einkaufsvorgangs müssen relevante Angebote platziert werden. Der Wettbewerb ist hart, Austauschbarkeit ist ein großes Thema. Qualität allein reicht nicht mehr als Versprechen, sie muss belegt werden. Der jetzige Schritt, den die Marke vollzieht, ist vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation mutig, aber unserer Ansicht nach genau die richtige Sprache zur richtigen Zeit.
Q Die Welt verändert sich und wir verändern uns mit ihr.
TS Früher standen Markensymbole wie der Aral Diamant uneingeschränkt für ein klares Markenversprechen. Heute, mit verschiedenen Generationen und in einer multidimensionalen Welt, ist das nicht mehr selbstverständlich. Zielgruppen müssen viel differenzierter angesprochen werden, ihre Informationsstände sind hoch und ihre Entscheidungsprozesse komplex. Die neue Komplexität trifft ebenso die Branche. Die Teams bilden ein signifikant größeres Kompetenzspektrum ab. Sie sind heute oft altersdiverser als früher. Es braucht Erfahrung, Empathie und Überblick ebenso wie neue Perspektiven und Energie. Die klassische Agenturwelt hat sich stark verändert, viele Standards sind obsolet geworden.

„Der jetzige Schritt, den die Marke vollzieht, ist vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation mutig, aber unserer Ansicht nach genau die richtige Sprache zur richtigen Zeit.“

„Wenn wir auf diese 25 Jahre zurückblicken, waren die Herausforderungen nie grundsätzlich andere – sie hatten nur immer wieder andere Namen. “
Question Was bleibt?
TS Was bleibt, ist der Bedarf an verständigen Partnern, die offen denken, hinterfragen und individuelle Lösungen entwickeln. Genau darin sehen wir unsere Rolle. Diese Balance hält wach, fordert heraus und macht auch nach 25 Jahren noch Spaß. Wenn wir auf diese 25 Jahre zurückblicken, waren die Herausforderungen nie grundsätzlich andere – sie hatten nur immer wieder andere Namen. Doch das eigene Handeln musste immer wieder überprüft, angepasst und neu gedacht werden. Diese permanente Bewegung ist kein Ausnahmezustand, sondern Teil der Realität. Sie verlangt Offenheit, Erfahrung und die Bereitschaft, Gewissheiten infrage zu stellen. Genau darin sehen wir auch für die kommenden Jahre unsere Aufgabe: Räume zu schaffen, in denen Denken möglich ist, Orientierung entsteht und neue Perspektiven entwickelt werden können – gemeinsam mit unseren Auftraggebern. Dass uns diese Haltung seit 25 Jahren trägt, empfinden wir nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Antrieb. Und genau daraus entsteht die Energie, mit der wir nach vorne schauen.